Ein Faktor beherrscht die Welt der Redaktionen: Der Zeitmangel. Er verhindert den Abdruck von nicht mediengerecht verfassten Texten, lässt bei Textänderungen den Fehlerteufel zuschlagen und bringt Zulieferer wie Redaktionsmitarbeitende gleichermassen an den Rand des Wahnsinns. Das Gegenmittel heisst Ausbildung. Lernen Sie als Zulieferer mediengerecht schreiben.

Generelle Überlegungen zu Beginn

Zeitungen sind die Medien der Informationsdichte. Schreiben Sie Ihren Text nicht länger, als er sein muss. Kurznachrichten haben generell eine höhere Chance zur Veröffentlichung als lange Berichte.

Klären Sie eventuell mit der Redaktion ab, ob überhaupt und wann diese einen längeren Bericht oder eine Reportage veröffentlichen kann. Machen Sie Liefertermin und –umfang ab und halten Sie sich an die Abmachungen.

Wählen Sie Ihre Sprache so, dass sie der Leserschaft der Zeitung angepasst ist. Vermeiden Sie Fremdworte, Fachbegriffe und englische Ausdrücke.

Die Kriterien des journalistischen Textes

Ein journalistischer Text lässt sich durch folgende vier Kriterien definieren: Korrektheit, Aktualität, Wichtigkeit und Vermittlung.

Korrektheit setzt sich aus Wahrheit  und Genauigkeit zusammen. Der Text enthält also weder falsche noch ungenügende Informationen. Korrektheit ist die zentrale Anforderung an einen journalistischen Text. Sie ist bei allen folgenden Themen immer zu überprüfen.

Es gibt zwei Arten von Aktualität. Offensichtliche Aktualität: Die Leserschaft wird so schnell wie möglich über aktuelle Ereignisse informiert. Unterschwellige Aktualität: Bei Themen grosser/allgemeiner Bedeutung wie Arbeitslosigkeit, Altersvorsorge, Gesundheitswesen, Fremdenhass, Wirtschaftslage, etc.

Die Wichtigkeit unterscheidet sich stark je nach Produkt. Sie deckt sich bei jeder guten Zeitung mit dem Leserinteresse. Also dem, was die Leser wissen wollen und was sie in ihrer Zeitung erwarten. Das Leserinteresse einer Zeitung lässt sich am leichtesten herausfinden, wenn Sie diese Zeitung durchsehen und auf die präsentierten Themen achten.

Vermittlung. Die primäre Aufgabe des journalistischen Texts besteht darin, einen Inhalt schnell, verständlich, korrekt und möglichst vollständig zu vermitteln. Sie als Autor/in vermitteln durch Ihren Text aktiv, der Leser erhält die Informationen passiv.

Damit die Informationsvermittlung möglichst erfolgreich ist, gilt es die Leitlinien des Journalismus zu beachten.

Es sind dies insbesonders der dichte Informationsgehalt, welcher sich klar durch die W-Fragen definieren lässt, der Aufbau des Textes, zeitungsspezifische Schreibweisen sowie die Artikelart.

Diese W-Fragen müssen Sie im Text beantworten: wer, was, wann, wo, wie viel (Zuschauer), wie, warum, woher (welche Quelle, woher haben Sie die Information).

Der Aufbau des Texts. Der journalistische Text ist sozusagen ein spannender Krimi rückwärts. Der Name des Mörders steht im Titel.

Absteigende Wichtigkeit: Beim Journalismus geht es bekanntlich darum, wichtige Informationen zu vermitteln. Je eher diese im Text erscheinen, umso schneller erfüllt der Text seine Aufgabe. Der strikte Textaufbau nach Wichtigkeit garantiert nicht nur die schnelle Erfüllung der Textaufgabe, sondern ermöglicht auch den Redaktionen, den Text von hinten zu kürzen. Dadurch kann er perfekt an die starre Zeitungsgeometrie (den Platz für den Text auf einer Zeitungsseite) angepasst werden.

Die Leserführung umfasst Titel, Ober- oder Untertitel, Lead (Einführung), Absätze, Zwischentitel, Bild, Legende (Text zum Bild), Grafiken und Kästen. Auch hier gilt es, die Zeitung gut zu studieren und sich an die Praxis zu halten.

Der Titel holt den Leser in den Artikel, soll aber auch die Kernaussage enthalten. Also nicht Leseranimation auf Kosten der Information.

Das Lead beantwortet die W-Fragen oder stimmt den Leser auf den Artikel ein.

Der erste Absatz stimmt in den Artikel ein oder beantwortet die W-Fragen.

Die Zwischentitel versprechen weitere Informationen.

Die Zwischenabsätze halten, was Titel, Zwischentitel und Lead versprechen.

Das Bild animiert und macht neugierig durch bekannte Gesichter oder bevorstehende Veränderungen. Die Legende beschreibt das Thema in einem Satz.

Zeitungsspezifische Schreibweisen

Wenn Sie einen Zeitungsartikel durchlesen, so fällt Ihnen in den wenigsten Fällen auf, dass sich gewissen Bezeichnungen von anderen Publikationen unterscheiden. Doch fehlt dieser Unterschied, so stolpert Ihr Auge beim Lesen. Deshalb ändert der Redaktor (je nach Produkt mehr oder weniger konsequent) diese Bezeichnungen ab, wenn er den eingesandten Text überarbeitet. Verwenden Sie diese Schreibweisen, so ersparen Sie der Redaktion damit nicht nur Arbeit. Auch wirkt Ihr Text viel professioneller und damit erhöht sich die Chance auf Veröffentlichung.

Journalistische Formen im Überblick

Beim Verfassen eines Artikels müssen Sie sich im Klaren sein, welche Artikelform Sie anstreben.

Nachricht: Kurzer Artikel über Ereignisse, hält sich an die neutralen Tatsachen, meist ohne Bild (z.B. Polizeimeldung). „Ich“- und „wir“-Konstruktionen nicht erlaubt.

Bericht: Etwas längerer Artikel über Ereignisse, hält sich an die neutralen Tatsachen, meist ohne oder mit einem illustrierenden Bild (z.B. Bericht von Gemeindeversammlung, etc.). „Ich“- und „wir“-Konstruktionen nicht erlaubt.

Reportage: Längerer Artikel, mit persönlichen Eindrücken, vermittelt Farbe, Geruch und Gedanken, meist mehrere Bilder (z.B. Reisebericht). „Ich“- und „wir“-Konstruktionen nur in Reisebericht erlaubt.

Interview: Original-Zitate (wichtig!), Textform nur als Ergänzung zu Nachricht, Bericht, evtl. Reportage. Bitte keine Werbe-Interviews (wirken sehr unglaubwürdig).

Kommentar: Eigene Meinung zu Thema, enthält immer Pro und Kontra, Textform nur als Ergänzung zu Nachricht, Bericht, evtl. Reportage. Meist Artikel-Verfassern vorbehalten.

Glosse: Humoristische Abhandlung eines Themas, als Ergänzung oder alleine (wenn Thema im Gespräch).

Leserbrief: Eigene Meinung zu Thema. Bezieht sich auf allgemeinbekanntes Thema oder (noch besser) erschienenen Zeitungsartikel.

Technische Anforderungen

Damit die Redaktion Ihren Text auch verwenden kann, empfiehlt es sich, folgende technischen Anforderungen zu beachten.

Text als Word-Dokument (evtl. auch .rtf). Normaler Fliesstext. Insbesonders keine Tabulatoren, Spalten, Gestaltung mit Textfeldern oder Grafiken und Bildern. Keine doppelte Zeilenumbrüche, kein Zeilenumbruch am Ende der Zeile, falls Text auf nächster weiterfliesst und keine automatische Silbentrennung (weil sämtliche Tabulatoren, doppelten Zeilenumbrüche, Trennstriche, Gestaltungen beim Einlesen ins Redaktionssystem von den Redaktoren wieder entfernt werden müssen).

Bild(er) als JPG-Datei separat speichern und sinnvoll benennen. Grösse rund 300-500 Kilobyte (in Word integrierte Bilder nicht brauchbar).

Postversand: Textausdruck + Bildausdruck (oder normaler Farbabzug ab Film, kein Negativ, kein Dia) mit Bildname, Datenträger mit Worddokument und Bildern, Begleitbrief.

Mailversand (empfehlenswert): Begleittext im Mail, Word-Dokument als Anlage, 1 Bild als Anlage, weitere Bilder (wenn vorhanden) auf Abruf anbieten.

Wenn ein Artikel im Mail integriert und nicht als Anlage versandt wird, ist die Übernahme ins Redaktionssystem sehr arbeitsaufwändig. Denn der Text wird vom Mailprogramm automatisch mit Zeilenumbrüchen, Trennstrichen und Leerzeilen formatiert. Ausserdem werden manchmal sogar die Umlaute nicht übernommen.

Und zum Schluss: Checken Sie Ihren Text vor dem Versenden und verbessern Sie ihn wo notwendig.

Viel Erfolg! Ihre Daniela A. Caviglia

Sollten Sie trotz dieser Tipps noch Mühe haben, unterstütze ich Sie gerne: 061 793 01 10, E-Mail